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{ Die Gerechtichkeit der Strafe }

Ein verdunkelter Raum. Plötzlich tritt ein Mann (nennen wir ihn der Einfachheit halber Mr. Smith) ein; in seiner Rechten eine Spritze mittlerer Größe. Zielstrebig schreitet er auf einen anderen Mann zu, welcher jedoch an einen Stuhl gefesselt ist, und der offensichtlich schon ahnt, was jeden Moment geschehen wird. Mr. Smith zückt die mit einer klaren, leicht gelblichen Flüssigkeit gefüllte Spritze, deren Nadel er Sekundenbruchteile später, geschickt und absolut präzise in eine Vene seines Opfers einführt. Er injiziert diesem 15 Milliliter Kaliumchlorid, welches alsbald den „friedlichen“ Exitus des Opfers durch Herzstillstand herbeiführt... Wonach klingt das? Nach Mord? Einem schlechten Film? Falsch! Die Rede ist von der Todesstrafe, wie sie in dieser Form beispielsweise in Amerika, Indien und vielen anderen Ländern praktiziert wird. Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, Lehrerinnen und Lehrer, sehr geehrter Herr Direktor! Ich halte heute eine Rede zum Thema: Die Gerechtigkeit der Strafe. „Was soll dieser kryptisch-paradox angehauchte Titel denn überhaupt bedeuten?“, werden sich die meisten jetzt fragen. Damit ist die Gerechtigkeit im Allgemeinen, und die Urteile von Richtern im Speziellen gemeint. „Aber das werden diese doch besser wissen! Es gibt doch Gesetze für alles und jedes!“, werden wieder welche sagen. Nun, meiner Meinung nach sind Richter auch nur Menschen. Wage ich es etwa das Urteilsvermögen unserer Richterschaft anzuprangern? Ja, das tue ich. Außerdem beurteilt jeder, ob und warum etwas gerecht ist, anders. „Ja, aber dafür gibt es doch Gesetze!“ höre ich erneut jemanden aufjohlen. Ja, das schon. Aber wer macht denn die Gesetze? Eine übergeordnete, allwissende, allzeitgerechte Macht. Nein! Das tut sie nicht! Das machen wir, wir machen die Gesetze . Was ich an unseren Gesetzen zu beanstanden habe? Ganz einfach: Zum Ersten sind die Gesetze in jedem Land anders. Es gibt keinen Staat auf der Welt, der dieselben Gesetze hat, wie ein anderer. 151 Staaten, und jeder hat vollkommen andere Gesetze. Gesetze... Was in einem Staat erlaubt ist, ist im anderen bei Strafe verboten. Was in einem Staat als Bestrafung gilt, wird in anderen als Mord geahndet.... Glaubt ihr nicht? Tja, was ist die Höchststrafe in Amerika? Richtig, die Todesstrafe! Die Todesstrafe. Die vorsätzliche Tötung eines Menschenlebens. Was in den USA als Bestrafung gilt, würde, nein wird bei uns mit „Lebenslänglich“ geahndet. Und es ist mir egal, was andere denken, für mich ist es das: MORD! Es ist nicht nur Mord, es ist pervers! Jemand wird für das Verbrechen „Mord“ mit „Mord“ bestraft. Welche Ironie. Wie im Alten Testament: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ (Exodus 21,24). Aber das ist ja auch schon etwas älter.... Vielleicht wird die Sache jetzt klarer? In den meisten Staaten der USA wird Homosexualität mit Gefängnis geahndet, bei uns nicht. Wie können Gesetze also gerecht sein, wenn es in jedem Land andere gibt? Doch damit nicht genug! Gesetze haben Lücken, die von unseren Rechtsverdrehern und Winkeladvokaten (alias: Die Anwälte) auch gerne ausgenützt werden: Dafür müssen aber auch die Richter mitspielen, die uns Tag für Tag mit ihren wahnwitzigen Entscheidungen aufs Neue erheitern. Beispiel gefällig? Ein Mann in den USA kauft sich ein neues Wohnmobil. Er fährt damit auf den Freeway. Während der Fahrt verlässt er den Fahrersitz, geht nach hinten, um dort Kaffee aufzusetzen. Natürlich überschlägt sich das 100km/h schnelle Gefährt sofort. Der Fahrer geht vor Gericht und bekommt 1.5 Millionen Dollar vom Richter zugesprochen, da in der Bedienungsanleitung des Wohnmobils nicht stand, dass man während der Fahrt als Fahrer nicht einfach den Fahrersitz verlassen darf. Die Konsequenz: Die Firma druckt ab sofort jenen Hinweis in ihre Handbücher, damit nicht noch so ein „Idiot“ auf diese glorreiche Idee kommt. Das ist leider wirklich so geschehen, auch wenn viele es für eine „Urban Legend“ halten. Wenn das Justita, Wahrzeichen der Justiz und Göttin des Rechtswesens wüsste.... Passiert ist auch Folgendes, aber nicht in den USA: Ein Mann stiehlt etwas, stellt sich dann aber selbst und gibt das Diebesgut freiwillig wieder zurück. Er hat jetzt mit bis zu 15 Jahren Haft zu rechnen, während ein Mann, der ein Kind vergewaltigt hat, meist mit 3 bis 4 Jahren davonkommt. Während die Saliera, ähhhh... das Diebesgut meine ich unbeschädigt zurück ist, ist das Kind auch schädigt, nämlich geschädigt, und das wahrscheinlich für sein ganzes, weiteres Leben. Und was ist mit den Richtern? Immer wenn es um Prominente geht, packen sie seltsamerweise meistens nur die Mindeststrafen aus. Aktuelles Beispiel? Karl Merkatz! Dieser war mit dem Auto unterwegs und überfuhr einen Menschen. Dieser Mensch verstarb noch an der Unfallstelle. Er ist jetzt TOT. Karl Merkatz bekam ein halbes Jahr bedingte Haft aufgebrummt. 15 Jahre für einfachen Diebstahl, ein halbes Jahr für fahrlässige Tötung? Man sieht sehr schön, welchen Rang der Mensch in unserem System einnimmt... Das sind also unsere Gesetze, auf die wir ach so stolz sind? Unsere Gesetze, die darauf aufbauen, dass alle Menschen vor Gericht gleich sind? Nein, das kann es doch nicht sein... Aber lästern ist ja bekanntlich einfach.... Lösungsansätze müssen her! Überlegenwert wäre sicherlich, eine strengere Kontrolle der Urteile unserer Richterschaft einzuführen, um zu verhindern, dass solch absurde Rechtssprüche, wie die bereits erwähnten tatsächlich geltend gemacht werden. Nach und nach könnte man auch die Gesetze in allen Staaten vereinheitlichen. Dazu müsste eine große Kommission bestehend aus Politikern, Ethikern, Rechtsexperten und Psychologen einberufen werden, die dann beschließen könnte, welche Gesetze eingeführt, abgeschafft oder beibehalten werden sollten. Es sollte auch Ziel sein, bestehende Gesetzeslücken weitgehend auszumerzen, was zwar schon ansatzweise geschieht, aber nicht mit der Konsequenz die oft vonnöten wäre. Dies waren jetzt schon einige Vorschläge, von denen ich überzeugt bin, dass sie über kurz oder lang gesehen auch realisierbar sind. Letztenendes kann es aber keine wirklich gerechten Gesetze geben. Warum? Gerechtigkeit ist und bleibt subjektiv. Wenn 51% der Weltbevölkerung für die Todesstrafe wären, wäre jene dann als moralisch richtig anzusehen? Dass würde dann aber auch bedeuten, dass 49% der gesamten Menschheit die Todesstrafe ablehnen würden. Was ist Gerechtigkeit? Was ist ethisch und moralisch richtig? Ist Moral nicht nur das, was wir durch unsere Erziehung beigebracht bekommen haben? Doch obwohl es, wie schon erwähnt, keine vollkommen gerechten Gesetze geben kann, besteht derzeit noch immer ein großer Spielraum für Optimierungen. Zum Abschluss noch ein kleines Quiz: Es gibt keine gerechten Urteile, weil: A: Gerechtigkeit subjektiv ist. Oder B: weil Richter Menschen sind, und Menschen nun mal Fehler machen. Oder C: weil Gesetze Lücken haben. Oder etwa D: weil Gesetze überall anders sind Die Kandidaten bei der Millionenshow hätten, an solch einer Frage ihre helle Freude - eine Frage bei der alle Antworten korrekt sind. Aber in Wirklichkeit ist von ihren 4 Antwortmöglichkeiten immer genau eine richtig. Sie müssen sich eben nur für diese eine entscheiden. Es würde mir aber auch genügen, wenn sie nicht eine der drei anderen, absolut absurden auswählen...... Danke für Ihre Aufmerksamkeit!