{ emptyvi }

{ Glaube Leiden Mord }

Es ist stickig hier. Verbrauchte Luft umhüllt mein Gesicht. Schweißgeruch. Das spärliche Licht, welches durch die hohen, altertümlichen Fenster fällt, scheint nur mühsam die von den massiven Säulen geworfenen Schatten durchbrechen zu können. Zu meiner Rechten sitzt ein älterer Herr, etwa um die Mitte 60, eingemummt in einen zerknautschten, doch gleichwohl sauberen Anzug. Links von mir ein schmaler Gang, der sich der Breite nach wohl mit zwei, vielleicht drei Schritten durchqueren ließe,die zahlreichen Sitzreihen in zwei Gruppen teilt und sich bis ganz nach vorne, zu dem von einer viel zu schwachen Lampe matt erhellten Rednerpult zieht. An ebenjenem steht jetzt ein Mann, welcher mit finsterer Miene, mal wild gestikulierend, mal absolut reglos aus einem dicken, in Leder gebundenen Buch zitiert. Plötzlich beginnt es sich rings um mich herum zu regen. Die etwa 300 anderen anwesenden Leute stehen schnell und fast simultan auf. Singen. Setzen sich wieder. Stehen wieder auf. Murmeln geheimnisvolle Sprüche in einer monoton-gelangweilten Weise, derer ich mich glücklich schätzen darf, das erste mal Zeuge zu sein. Ich beginne mich unwohl zu fühlen. Ohne Vorwarnung knien sich die offensichtlich verrückt gewordenen Leute hin, verdrehen ihre Hände aufs Merkwürdigste. Unmittelbar muss ich an die Zombies aus dem schlecht gemachten Horrorfilm von letzter Nacht denken. Mein Blick wandert hektisch von einer Person zur nächsten. Dann zur Tür. Wieder zurück. Ruckartig erhebe ich mich aus meiner unbequemen Sitzgelegenheit. Laufe zur Tür. Nur noch raus!! Im Freien setze ich mich zitternd auf die ausladenden Stiegen, nebst dem wuchtigen Treppengeländer. Eines steht für mich fest: Nie wieder Kirche! Doch obgleich ich die Leute kenne und schätze, die sich da jeden Sonntag und offenbar freiwillig zum frühmorgendlichen Gottesdienst quälen... Allein ich verstehe sie nicht. Allem Anschein nach ist Religion im Allgemeinen und die katholische Kirche im Speziellen wirklich nur eines: Opium für das Volk. Wie sonst lässt es sich erklären? Sich erklären, warum es beispielsweise Wissenschaftler zur Genüge gibt, die nichts besseres mit ihrem Leben anzufangen wissen, als verbissen nach einem Beweis für die Existenz von Jesus Christus zu suchen. Und so sehr sie sich auch bemühen.. Sie finden immer nur Indizien. Wie es sein hätte können. Was damals, vor rund 2000 Jahren angeblich geschehen ist. Dabei gibt es dafür doch sogar hochwissenschaftliche Gesetze, wie etwa Färsumi Ockhams Gesetz, auch Ockhams Rasiermesser genannt, welches besagt, dass von mehreren Theorien, die den gleichen Sachverhalt erklären, die einfachste zu verfolgen ist. Dieses Gesetz ist in allen Sparten der Wissenschaft anzuwenden; für die Informatik gibt es sogar noch ein eigenes Prinzip, das KISS-Prinzip, welches sich von der Aussage her mit Ockhams Gesetz deckt. Egal. Wir haben also zwei Theorien zur Auswahl: Entweder die Urknalltheorie ist falsch und ein ominöser Gott, der in Besitz von übernatürlichen Kräften ist, hat die Welt in 6 Tagen geschaffen ohne auch nur einen einzigen Beweis für seine Existenz zu hinterlassen. Oder es gibt ihn gar nicht, diesen Gott, und wir haben ihn einfach nur erfunden, damit wir uns nicht so klein und hilflos fühlen. Dreimal dürft ihr raten, welcher Theorie Ockhams Gesetz nach der Vorzug zu geben ist.. Aber was treibt diese Leute, anerkannte Forscher und Historiker nun dazu, allen Regeln und aller Logik zum Trotz nach Hinweisen für das Aasein von Gott zu suchen? Wäre Jesus ein Fall vor Gericht und die Forscher die Zeugen welche ihre Indizien dem Gericht vorlegen würden.. Ich schätze nicht einmal in Amerika würde es nach solch einer Anhörung auch nur zu einer Vorverhandlung kommen.. Wie dem auch sei, über die Existenz eines verarmten Zimmermannes anno 0 mag es Uneinigkeit geben.Widmen wir uns also zum wiederholten Male der Frage, warum manche Leute so verbissen an Gott, Göttern, Allah, dem Teufel oder wem auch immer festhalten.. Dies ist die wohl am einfachsten zu beantwortende Frage: Sie haben einfach Angst vor der Realität, haben Angst vor dem Gedanken, sie könnten allein sein auf der großen, weiten Welt, haben Angst vor der Vorstellung, ganz auf sich allein gestellt zu sein. Na ja.. Ganz so einfach darf ich es mir vielleicht doch nicht machen: Immerhin gibt es da ja noch die Menschen, die in ihrer Kindheit Sonntag für Sonntag von ihren Erziehungsberechtigten in die Kirche geschleift worden sind, die diese Tradition fortgeführt haben und vielleicht heute an ihren Kindern praktizieren. Anerzogene Blödhei äh.. Angewohnheit sozusagen. Das wären wohl die Hauptgründe, warum so enorm viele Menschen nach wie vor emsig dieses stupid-naive Kopf-in-den-Sand-Stecken betreiben, hoffend, die Realität werde sie nicht einholen. Wenn ich vorher gesagt habe, ich verstünde die Christen nicht, so ist es nun an der Zeit, diese Aussage ein wenig zu revidieren: Ich kenne sehr wohl ihre Gründe, jedoch, ich verstehe sie nicht. Denn ich empfinde nicht so.. Die Frage, ob Religion auch noch etwaige andere positive Dinge mit sich bringt, lässt sich getrost mit "Ja" beantworten. Wirklich für jeden ist etwas dabei: Die Koran-Leser etwa haben einen tollen Scheingrund, ihre Frauen zu misshandeln, versklaven, sie zu steinigen und zu foltern. Ist das nicht schön? Für die Katholiken gibt es endlich einen Grund, warum man Homosexuelle hassen und aus der Gesellschaft verstoßen sollte: Weil in der Bibel geschrieben steht, dass nur ein Mann und eine Frau den geheiligten Bund der Ehe eingehen dürfen. Grandios! Die reichen Hindus wiederum haben den Vorteil, dass sie sich nicht um das gemeine Volk aus den niederen Kasten kümmern zu brauchen, da jene nach ihrer Religion nie in eine ihnen übergeordnete Kaste aufsteigen können. Wie praktisch.. Das schlechteste Los haben offensichtlich die Buddhisten gezogen: Ihnen bleibt nur der Glaube daran, dass wenn sie schön brav und artig sind, und Schmerzen geduldig ertragen, sie im nächsten Leben vielleicht wieder ein Mensch werden. Doch die Buddhisten schaden in ihrer Einstellung wenigstens niemand anderem. Buddhismus ist wohl auch überhaupt die einzig größere Religion, die man ohne große Lügereien als friedlich bezeichnen kann. Friedlich, nicht vernünftig. Ich möchte mich nun der bei uns am weitest-verbreiteten Gehirnwäsche zuwenden. Richtig, dem Christentum. Jenes ist ja, unter anderem, auch auf dem Fundament der 10. Gebote aufgebaut, welche wiederum von den meisten quasi als Grundpfeiler einer funktionierenden Gesellschaft angesehen werden. Was ich irgendwie merkwürdig finde, insofern sie doch nur dem Zweck dienen, das Volk mundtot zu machen.. Aber dazu möchte ich noch später kommen.. So: Schlagen wir also alle mal Exodus 20,17 auf. Als Kurzform für jenes Gebot wird uns übrigens in der Schule, in welcher ich, anbei bemerkt, Religionsausübung als vollkommen fehl am Platz schätze, folgendes beigebracht: "Du sollst nicht begehren deines nächsten Gut." Wer sich aber wirklich die Umstände macht, und selbst die Bibel bemüht, der wird alsbald feststellen, dass man außer Häusern und Sklaven auch nicht nach der Frau des nächsten verlangen soll. Habt ihr es bemerkt? Da wird die Frau also als Besitz des Mannes angeführt und einem Haus ranglich gleich gestellt. Die Sklaverei wird hierbei auch so ganz nebenbei von sozusagen höchster Instanz abgesegnet. Dagegen wirkt das "Du sollst nicht Ehebrechen." aus Exodus 20, 14 geradezu harmlos. Angestaubt zwar, in Zeiten der Anulation, in denen immerhin mehr als die Hälfte aller Ehen in unserer Landeshauptstadt schon nach 2 Jahren zu Bruch gehen.. Aber harmlos. Oder Exodus 20,12: "Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein dir gibt." Ich frage mich gerade, ob Gott schon von der neuesten EU-Statistik gehört hat, welcher zufolge etwa 120 Millionen Kinder weltweit Gott regelmäßig und zumeist von ihren Vätern sexuell missbraucht werden. Noch viel mehr würde mich interessieren, was Gott diesen Kindern erzählen würde, so denn es ihn wirklich gibt, was ich offengestanden nicht glaube. Und, ja, Kindesmissbrauch gab auch schon vor 2000 Jahren, da könnt ihr Gift drauf nehmen.. Mit dem ersten Gebot, das ihr braven Christenmenschen wahrscheinlich aus dem Effeff könnt, will ich mich erst gar nicht lange aufhalten. Das wäre zu einfach.. Vielmehr möchte ich mich nun noch kurz dem geschichtlichen Aspekt widmen. Zum ersten: "Warum gibt es Religion überhaupt?" Nun, eine Antwort darauf habe ich ja eingangs bereits gegeben, als ich sagte, dass die meisten Menschen es scheinbar nicht verkraften, die Realität zu akzeptieren. Doch es gibt noch einen zweiten, historisch viel wichtigeren Grund. Religion war immer ein probates Mittel, das Volk im Zaum zu halten, es zu unterjochen, zu unterdrücken. Dabei haben sich dann immer meist Mutter Kirche und Vater Staat zusammengetan, um gemeinsam ein Kind zu zeugen, welches den Namen "Gotteszorn" trägt. Abgelaufen ist das dann in etwa so: Man, nein, der Staat, hat das Volk aus aufs gröbste ausgebeutet. Hat jenes dann einmal aufbegehren wollen, so hat sich die Kirche zu Wort gemeldet, und dem Volk mit dem Zorn Gottes gedroht. Denn schon Jesus von Nazareth hat ja gelehrt: Gib des Kaisers was des Kaisers ist, und Gott, was Gott gehört. Falls mir jemand jetzt sagt, dass das alles ja schon soooo lange her sei, so komme ich nicht umhin, ihn herb zu enttäuschen. Nehmen wir den Anfang des 20. Jahrhunderts: Was hat die Kirche da für schöne Sachen gemacht? Aaaaalso: Sie hat die Bomben gesegnet, die auf Hiroshima fielen, hat sich mit Mussolini solidarisiert und um dem Fass die Krone aufzusetzen: auch mit Hitler. An den Bannern der Nazis die die Aufschrift "Gott mit uns" getragen haben, daran hat sie sich natürlich ebenfalls nicht gestört. Und bis heute auch nie davon distanziert. Um nur einige ihrer Vergehen innerhalb der letzten einhundert Jahre zu nennen. Es ist schon lustig: Den Christen fällt immer irgendein Grund ein, warum dies und das so ist wie es ist. Warum alle 7 Sekunden irgendwo auf Gottes Planeten ein Kind verhungert, obwohl es doch derzeit genug Nahrung gibt, um 16 Milliarden Menschen zu versorgen. Diese Zahl ist übrigens nicht meiner Fantasie entsprungen, nein, sie rührt von einer Untersuchung der WHO her, die diese selbst erst vor kurzem abgeschlossen hat. Dazu ist noch zu bemerken, dass der Vatikan keinesfalls arm ist, und durchaus die finanziellen und politischen Mittel dazu hätte, an der derzeitigen Situation etwas zu ändern. Doch wie soll man, ist man doch teilweise mit schuld an dem Elend.. Aber am lustigsten, na ja eigentlich am traurigsten finde ich es, wenn mir Leute erklären wollen, ihre Religion sei friedlich, und Gott oder Mohamed oder wer auch immer sei es auch. Ich entgegne ihnen dann immer, dass Gott oder Mohamed oder wer auch immer noch nie einen Krieg verhindert hat. Das im Gegenteil sogar zumeist ihre Personen die Auslöser für Kriege waren, dass ihre ach so friedliche Religion Millionen von Menschen getötet hat. Dann sind die Betreffenden seltsamerweise immer recht still... Zweiundzwanzig. So viele Millionen Menschen wurden zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert während der 7 Kreuzzüge und unter dem Namen Gottes aufs brutalste niedergemetzelt. Der schwarze Tod, die erste Welle der Pest, die im 14. Jahrhundert Europa überrollte, brachte es da nur auf knapp zwanzig Millionen Tote.. Zwölf. Zwölf Millionen Menschenleben forderte dann die nächste große Welle der Pest Anfang des 20. Jahrhunderts. Ebenso viele wie die katholische Inquisition in der Spanne zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert bei der die Menschen wieder einmal wegen und für Gott umgebracht wurden. Achthunderttausend. Achthunderttausend Menschen sind 1994 innerhalb von 100 Tagen in Ruanda vor den Augen, und oftmals auch durch die Hände von Priestern und Nonnen getötet worden. Die Kirche unternahm damals nichts; deckte sogar die Schuldigen, weshalb bis heute erst vier der zahlreichen, aktiv mordenden Priester verurteilt worden sind. Die gefürchtete Hongkong Grippe, die in den Siebzigern des 20. Jahrhunderts grassierte, raffte nur siebenhundertfünfzigtausend Leute dahin.. Was kann man aus all dem also schließen? Es kann wohl nur sein, unumwunden anzuerkennen, dass Religion im Allgemeinen und die heilige Mutter Kirche im Speziellen, das beide bewiesenermaßen schlimmer als die Pest sind. Und wie beruhigend ist es doch zu wissen, dass in unserem Staat eine Kirche die Moral repräsentiert, deren Vergangenheit und auch Gegenwart vom Blut der Millionen Unschuldigen getränkt ist, die sie eigenhändig im Laufe der Zeit für Gott abgeschlachtet hat... Danke für eure Aufmerksamkeit!